Japan – Kyoto: Von Geishas, Geikos und Maikos in Gion

Am Mittwoch Abend und am Donnerstag stand bei uns alles im Zeichen der Geishas bzw. Geikos, wie sie lokal in Kyoto genannt werden, und der Maikos. Eine genaue Übersetzung gibt es für diesen Beruf und Lebensstil natürlich nicht. Geishas sind eine Art Unterhaltungsdamen und Entertainer, die tanzen, singen, bedienen und Spielchen machen. Männliche Geschäftsleute besuchen dazu „Teahouses“, in denen allerdings nicht unbedingt nur Tee serviert wird. Das mag jetzt leicht anrüchig klingen, ist es aber ganz und gar nicht, Geishas sind keine Prostituierten oder ähnliches, sie werden ausschließlich bezahlt, um Gäste zu unterhalten. Und hier in Kyoto wird diese Tradition noch sehr stark gelebt, so gibt es fünf Geisha-Viertels hier, das größte und bekannteste ist Gion – und dort haben wir an einem wunderbaren Night Walk (Walking Tour in Kyoto) teilgenommen, um mehr über dieses Mysterium und die Tradition zu erfahren. Die weiß geschminkte Gesichtsfarbe rührt aus vergangenen Zeiten, denn damals sahen die Gesichter bei Kerzenschein quasi alle gleich aus – wenn man weiß angemalt war, schimmerte die Haut ganz besonders und man unterschied sich dadurch von allen anderen. Neben dem Gesicht wird auch der Hals weiß gemalt, hinten bleibt eine Art „rundes M“ hautfarben – so soll der Hals länger wirken. Außerdem ist es neben dem Gesicht die einzige Körperstelle, an der Haut zu sehen ist. Geishas tragen traditionell einen Kimono, der durch einen Obi (Gürtel) gehalten wird, japanische Socken (der große Zeh hat eine extra Ausstülpung) und eine Art Flip-Flop aus Holz. Maikos sind Geishas in Ausbildung – als Teenager begeben sie sich fünf Jahre in diese besondere Schule, lernen das entertainen und leben ohne großen Luxus (keine Handys, kein Starbucks etc.) in alter japanischer Tradtition behaftet. In dieser Zeit unterscheiden sie sich unabhängig vom Alter auch von den richtigen Geishas – so wirken sie auf den ersten Blick in weiß geschminkt und mit Kimono zwar sehr ähnlich, beim genaueren hinsehen, fällt aber auf, dass sie auf 12cm hohen Holzschuhen laufen müssen, sie keine Perrücke tragen und sie sich nur die Unterlippe anmalen dürfen. Sie leben in speziellen Häusern, „Okiyas“ genannt, gemeinsam mit der Hausmutter und folgen der strengen Ausbildung. Von draußen kann jeder Passant sehen, welche Maikos hier gerade in Ausbildung sind (Namensschilder) und auch nach Vollendung der Ausbildung werden sie immer diesem Haus zugehörig sein, denn die Ausbildung wurde durch dieses Haus finanziert. In Gion gibt es zahlreiche Straßenzüge, die nur aus Teehäusern und Geisha-Häuser bestehen. Überall hängen rote Laternen davor – mehr sieht man nicht, schießlich geht es um die Privatsphäre meist sehr reicher und einflussreicher Kunden – der Besuch eines Teehausparty ist nur mit einer Einladung möglich und ist somit ziemlich das ehrenvollste, was einem als japanischer Geschäftsmann passieren kann.

Und um selbst mal das Gefühl zu bekommen, wie man sich als geschminkte und traditionell gekleidete Geisha fühlt, habe ich mir eine kleine Umwandlung gegönnt: nach vielen weißen Make-Up Schichten und einer Perrücke wurden mir noch mehr Schichten Kleidung angelegt – ich hatte ja keine Ahnung, aus wie vielen Schichten, Gürteln und Knoten so ein Kimono und Obi besteht und wie schwer das Ganze ist. Unglaublich! Zwei Leute waren ca. 10min damit beschäftigt mich anzuziehen. Und wirklich gut laufen kann man darin auch nicht. 😉 Es war ein super Erlebnis, sich mal völlig anders zu sehen und ein ganz kleines bisschen diesen Mythos nachempfinden zu können.