Japan – Kawaguchiko: vom Mt. Fuji und traditionellen japanischen Hotels (Ryokan)

Kein Japan-Trip ohne einen Abstecher zum Wahrzeichen Nr. 1 – dem Mt. Fuji mit seinen 3776m – gemacht zu haben! Und so sind wir vor unserer letzten Etappe in Tokyo für zwei Tage (bzw. Übernachtungen) in die „5 Lake Area“ nach Kawaguchiko gefahren und übernachten hier in einem Ryokan, einem traditionell japanischem Hotel. Die Anreise von Hiroshima hat etwas über 8 Stunden gedauert und trotz viermaligem Umsteigen hat dank des auf die Sekunde pünktlichen japanischen Bahnsystems alles problemlos geklappt. Als wir am späten Nachmittag hier ankamen, hatte sich der Fuji aber ganz gut in Wolken gehüllt und nur ab und zu durch ein Wolkenloch zu erkennen gegeben, dass er tatsächlich da ist – abwechselnd konnte man mal die Spitze oder Hänge sehen, der Rest blieb bis heute früh für uns verhüllt. Dafür wussten wir heute in aller Frühe den wunderschönen Ausblick von unserem Zimmer über den See zum Fuji noch mehr zu schätzen. Ab 8Uhr hieß es dann nämlich wieder „Versteckenspielen“ – zunächst noch nur ansatzweise, so dass wir von der Seilbahn-Station noch einen schönen Blick auf ihn genießen konnten, aber ab mittags war dann wieder eine große weiße Wattewolke da, die ihn umgab.

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Die anderen Themen, die uns vor Ort nonstop beschäftigen sind: Was wird es wohl zu essen geben? Werde ich satt? Muss ich diese komischen Latschen und Gewänder tragen? Und wie soll ich darauf bitte schlafen? Alles Fragen, die sich vermutlich jeder Westler in einem traditionellen Hotel stellt. Im Ryokan ist alles nach alter japanischer Tradition: Bevor man sein Zimmer betritt, muss man die Schuhe ausziehen. Dann geht man eine Stufe hoch und befindet sich in einem mit Tatami Matten (aus Reisstroh) ausgelegtem Raum samt bodentiefer „Stühle“ und einem niedrigen Tisch. Kein Bett, kein Sessel, keine Couch. Erst während man beim Abendessen sitzt, wird das Bett, das Futon, hergerichtet. Man schläft quasi auf dünnen Matratzen auf dem Fußboden. Morgens wird das dann wieder weggeräumt. Diese Tradition ist auf Grund des chronischen Platzmangels in Japan entstanden – da kann man schließlich nicht einfach für alle Tätigkeiten andere Räume haben. 😉 Das Futon ist hart, aber okay, wir hatten hier und auch in anderen Urlauben schon weitaus härtete und unbequemere Matratzen. Allerdings ist die Bettdecke wahnsinnig dick – und es ist ja immer noch Sommer hier. Nächtliche Hitzewallungen und ein deutlich spürbarer Ausläufer des Erdbebens aus Tokyo (Stärke 5,2) heute Nacht haben uns dann heute doch sehr oft gähnen lassen. Und außer dem Zimmer ist auch alles andere hier voll japanisch im Hotel – man muss exakt sagen, wann man essen will, wann man rausgehen will etc. – hier wir ganz japanisch nichts dem Zufall überlassen und jegliche Spontanität im Keim erstickt. Das soll keine Kritik sein, es ist nur total komisch, sich im Urlaub so festlegen zu müssen.

Gestern vorm Abendessen haben wir versucht Antworten auf die wichtigen Fragen zu finden, was wir nun an Kleidung und Schuhen anziehen sollten. Denn beim Check In, wurden uns grüne Yukata (eine Art Haus-Kimono) überreicht. Und vor dem Zimmer stehen Latschen. Hmm…..wir beschlossen unsere normale Kleidung anzulassen und nach einem kurzen Ausflug mit Straßenschuhen in den Flur, sind wir nochmal zurück um uns die Latschen anzuziehen – denn diese trug jeder. Die Latschen zieht man übrigens vor dem Essenraum wieder aus und zwar so, dass man hinterher von hinten wieder reinschlüpfen kann – sprich man läuft beim Eintreten und Schuhe-Aussziehen rückwärts in den Raum. Dort angekommen wurden wir auch gleich an unseren Tisch gesetzt (wir sind die einzigen Westler hier) und stellten fest, dass fast alle anderen den grünen Ganzkörperanzug anhatten. Schon witzig diese Japaner. 😉 Auf dem Tisch standen schon viele verschiedene Gerichte, Häppchen und Suppen und wir versuchten uns einen Überblick zu schaffen: Was isst man mit was und in welcher Reihenfolge? Zum Glück waren die Gäste am Nachbartisch uns 5min voraus, so dass wir immer ein bisschen rüberschmulen konnten, denn ständig wurden neue Speisen serviert. Wir waren schon etwas überfordert, bei jedem zweiten Bissen ausgesprochen mutig (wer weiß schon, was das ist?) und am Ende ganz stolz darauf, dass wir satt geworden sind (auch wenn wir heimlich ein Teil des in dicken Blöcken geschnittenen Sashimis in den „Fondue“-Topf geschmissen haben, um es sträflicher Weise zu garen – Sushi und Sashimi bei uns ist dann doch nochmal etwas ganz anderes). Beim Frühstück hat uns um Punkt 8Uhr der Mut aber dann doch ein bisschen verlassen: morgens ist das mit Fisch, komischen wackelnden Speisen und schleimigen Undefinierbaren dann doch etwas schwierig für den Brötchen- und Müsli-Esser. Gleich geht es wieder zum Abendessen, wir sind sehr gespannt…